klarsoweit
29.11.2008, 18:53
Es geht um den im Forum bereits öfter beschriebenen Fehler, dass der Motor ruckelt, also bei stetig gedrücktem Gaspedal mal mehr, mal weniger Schub produziert. Die Motordiagnoseleuchte blinkt erst, leuchtet später ständig und verlischt nach einigen Neustarts. Der Fehler taucht seitdem in ähnlicher Form immer wieder auf, dabei gipfelt er hin und wieder darin dass das Fahrzeug plötzlich stottert, gar keinen Vortrieb mehr entwickelt und stehen bleibt. Nach kurzer Wartezeit und Neustart ist stets eine Weiterfahrt (mit leuchtender Motordiagnoseleuchte) möglich. Das Intervall zwischen dem Auftauchen des Fehlers wird immer kürzer. Auf der Autobahn haben wir nicht mehr angehalten, sondern nur noch bei rollendem Fahrzeug die Zündung ausgeschaltet und sofort wieder eingeschaltet. Das hilft auch, ist aber gefährlich, weil die Unterstützung der Servolenkung und der Bremskraftverstärker bei nicht laufendem Motor nicht funktionieren.
Das Problem wurde beseitigt nachdem alle Kabelverbindungen, die im Motorraum erreichbar sind, einschließlich der Sicherungen und Relais im Sicherungskasten gelöst, mit Alkohol (Brennspiritus) gereinigt und wieder zusammen gesteckt wurden. Das hat den Fehler nach dem ersten Mal für ein Jahr (15.000 km) beseitigt und nach dem Wiederauftauchen des Fehlers ebenfalls wieder funktioniert. Ca. 1,5 Std. Arbeit, Materialkosten 2 ? für eine Flasche Brennspiritus. Mit einen fusselfreien Lappen, der über einen schmalen Schraubenzieher gestülpt wird erreicht man gut die flächen zwischen den Kontakten und die Dichtungen. Also probiert das erst aus, bevor Ihr sinnlos viel Geld in den Austausch von Teilen investiert. Die Multistecker am Steuergerät nicht vergessen. Dafür muss das Steuergerät gelöst werden, damit es etwas bewegt werden kann.
Leider kann ich nicht genau angeben welche Stecker es sind. Konkret im Verdacht habe ich die Stecker an der Drosselklappeneinheit. Um die zu erreichen muss man das Luftansaugrohr abschrauben. Außerdem den Sicherungskasten im Motorraum. Das hatte ich im letzten Frankreichurlaub zunächst vergessen und der Fehler war erst durch nachträgliches reinigen der genannten Teile beseitigt. Die verdächtigen Teile wurden nun zusätzlich abgeklebt.
Wer nur an der Lösung interessiert ist braucht nicht weiter zu lesen. Im Folgenden beschreibe ich die vorher vorgenommenen erfolglosen Reparaturversuche durch 2 Peugeot-Autohäuser die mich insgesamt etwa 1.800 ? und eine Menge Nerven gekostet haben.
Filiale eines Autohauses in Köln
Angefangen hat man wie immer mit dem Austausch von Zündspule und Zündkerzen. Das hat jeweils kurzzeitig geholfen. Später habe ich festgestellt, dass bereits das Abziehen und Aufstecken der Zündspulen- und Einspritzventilstecker kurzzeitig hilft. Als der Austausch zum vierten(!) Mal vorgenommen werden sollte, dabei einmal auf Ersatzteil-Garantie, habe ich interveniert. Dabei empfahl der ?Kundenberater? die Motordiagnoseleuchte ?nicht allzu ernst zu nehmen?. Von dieser Empfehlung wollte er allerdings später nichts mehr wissen.
Dann wurde der Austausch der Drosselklappeneinheit vorgenommen, Fehler danach kurzzeitig behoben. Als der Fehler dann wieder auftauchte und ?Zündspule? diagnostiziert wurde, habe ich gefragt ?Schon wieder??. Nach einigen Minuten wurde die Diagnose geändert in ?hängende Ventile? und die Kosten für die erforderliche Überholung des Zylinderkopfs auf ca. 2.000 ? beziffert. Auf meine Rückfragen woher der Kundenberater diese neue Erkenntnis habe, antwortete er, es gebe einen zweiten Fehlerspeicher für die Abgasuntersuchung, den man nun noch zusätzlich ausgelesen habe. Beide Ursachen seien möglich, entweder die Zündspule (Kosten zuletzt 235 ?) oder die hängenden Ventile. Genauer sei das nicht festzustellen. Seine Empfehlung seien die hängenden Ventile. Eins von beidem sei es sicher. Es sei nicht möglich an der Zündspule zu überprüfen, ob sie defekt sei. In Anbetracht dieses Ultimatums entschied ich das Fahrzeug unrepariert wieder abzuholen, weil ich nicht den Eindruck hatte, dass die Diagnose auf einer fundierten Basis erstellt wurde. Hängende Ventile hören nicht auf zu hängen, nur weil man die Zündung ausschaltet.
Danach wurden durch mich selbst und durch ein kleines Autohaus im Bergischen Land folgende Reparaturversuche unternommen. Dabei hat sich das Autohaus freundlicherweise die Mühe gemacht aus einem baugleichen Gebrauchtwagen die jeweiligen Teile mit unserem 206 CC zu tauschen.
- Abgasrückführventil
- Temperaturfühler
- Lambdasonden
- Einspritzventile
- Nockenwellensensor
- Software-Update
- Kraftstofffilter
Außerdem wurde folgende aus dem Forum bekannte Fehlerursachen überprüft:
- Einbau 1. eines Kondensators in die Zündanlage und 2. Austausch des Relais für Einspritzanlage und Zündanlage. Dabei hat offenbar erst der Tausch des Relais zum Erfolg geführt.
- Wasseransammlung im Kunststoffluftansaugrohr unter der Stoßstange. Durch mitgerissenes Wasser wird ein Fühler im weiteren Verlauf des Ansaugsystems irritiert.
- Gesättigter Aktivkohlefilter der Kraftstoffentlüftung, ggf. durch Tanküberfüllung, der Kraftstoffgase freigibt.
- Aufgescheuertes Kabel unterhalb des Motors, Beifahrerseite, 40cm hinter der Stoßstange.
- Wasser im Sekundärluftkreislauf (Pumpe + Ventil) - ausgeschlossen, weil das Fahrzeug keinen Sekundärluftkreislauf hat.
Danach wurde vorgeschlagen das Motorsteuergerät zu tauschen. Das geht nur als Neuteil und kann danach nicht mehr in ein anderes Fahrzeug eingebaut werden. Das habe ich anhand der bekannten Symptome und Beseitigung durch Zündung ausschalten für unwahrscheinlich gehalten. Mir war aufgefallen, dass auch das Abziehen und Aufstecken der Zündspulen- und Einspritzventilstecker kurzzeitig hilft. Außerdem sind die Steckverbindungen bereits beim ansehen verdächtig, dass sie nicht vernünftig wasser- und staubdicht sind. Also habe ich die oben beschriebene Reinigung auf Verdacht durchgeführt ? mit Erfolg.
Das Fahrzeug ist übrigens EZ 12/2000 und war nicht mehr in der Garantie. Peugeot Deutschland wurde frühzeitig involviert, als sich zeigte, dass die erste Werkstatt überfordert war. Bei Peugeot Deutschland verwies man auf die Kompetenz der Werkstatt, die natürlich Support vom technischen Service von Peugeot Deutschland erhielte. Wenn die Werkstatt den Handlungsanweisungen von Peugeot Deutschland folgen würde, werde man den Fehler zuverlässig beseitigen. Ein Brief an den ADAC wurde ebenfalls in diesem Sinne beantwortet. Das ist natürlich Unsinn. Qualitätssicherung muss zentral seitens des Herstellers betrieben werden. Nur dort laufen die erforderlichen Informationen über Konstruktion und signifikante Fehlerhäufungen zusammen. Dass mangels Herstelleraktivität die Internet-Foren der Kunden grundlegende Konstruktionsfehler finden müssen, ist ein Unding. Das geht auch anders.
Ob wir noch einmal einen Peugeot kaufen würden?