Unbekannt
22.02.2009, 12:27
Hallo PUG-Boys and -Girls,
einem Freund habe ich gerade per Fernkurs beschrieben, wie an den 3-Liter-ZPJ Motoren die WaPu getauscht wird. Nach dem das technisch-literarische Werk der Nachwelt erhalten bleiben soll, poste ich das hier mal. Vielleicht hat ja der eine oder andere noch einen Nutzen davon:
Schritt A:
Wenn Du mit Hebebühne arbeitest, muß der Motor an einer Motorbrücke aufgehängt werden, da Du ein Motorlager ausbauen mußt. Mit Abstützen von unten geht nichts, weil Du, sobald die Bühne oben ist, nicht mehr von oben an das Motorlager, Thermostat, Kühlerschläuche usw. herankommst.
Wenn Du über der Grube arbeitest, brauchst Du eine stabile Stütze für den Motor. Werkstätten haben Getriebestützen, aber nicht alle können solche Lasten tragen, wie einen Motor.
Wenn Du den Wagen lediglich mit dem Wagenheber anhebst, brauchst Du zwei Wagenheber. Der zweite wird zum Abstützen des Motors benötigt. Außerdem brauchst Du Sicherungsböcke. Am besten nimmst Du den Wagen für diese Arbeit am vorderen Querträger (unter der Stoßstange) hoch und setzt den Querträger dann rechts und links auf die Sicherungsböcke.
Vor dem Aufbocken natürlich vorn rechts die Radschrauben schon lösen.
Schritt B:
- Rad runter
- Radhausverkleidung zum Motorraum hin ausbauen (obere Verkleidungsschale kann drinbleiben)
- Untere Schraube der Strebe, die den Hilfsrahmen mit der seitl. Spritzwand verbindet, lösen und Strebe wegschwenken.
- Kasten der Steuergeräte lösen, so daß er etwas beiseite geschoben oder angehoben werden kann.
- Motor abstützen (die Ölwanne hält das aus). Beim Abstützen den Motor so weit anheben, dass er in den Motor-Gummilagern ein paar mm angehoben wird.
- Motorlager neben dem Ausgleichsbehälter lösen (das hintere am Klimakompressor nur lösen, wenn das vordere beim Zusammenbau nicht so recht passen will! Dadurch kannst Du mit dem Motor etwas "spielen".
- Spannrolle für Keilriemen entspannen (binde den Schlüssel mit einem Faden oder Blumendraht irgendwo fest, evtl. am Handgelenk. Wenn der (garantiert fünf mal) runterfällt, ist er im Zylinder-V kaum zu finden. Eine Uhr, Bits und Stecknüsse von mir wurden so mit meinem alten 605er mitverschrottet.)
- Heizung ganz aufdrehen, dabei Zündung für ca. 10 Sek. einschalten (wegen des Stellmotors).
- Kühleranschluss-Schlauch am Thermostatgehäuse lösen. Dünnen Verbindungsschlauch Kühler/Ausgleichsbehälter lösen. Schellen am besten beim Zusammenbau durch Standard-Schlauchschellen ersetzen. Die Original-Schellen zu lösen, ist ein Sch....spiel. Vorsicht mit der WaPu-Zange - wenn sie abrutscht und sich die Schellen verdrehen, ist kaum noch ranzukommen.
- Thermostat ausbauen / WaPu lösen. Sind die Schrauben festgefressen, zuerst etwas anziehen / 2mm-Drehwinkel reichen, und dann erst lösen.
- Bei der WaPu wird eine Schraube (die obere???) mitsamt der WaPu herausgenommen, da sie zu lang ist, um sie zwischen WaPu-Gehäuse und Hilfsrahmen kpl. zu entnehmen. Diese Schraube kann beim Einbau zum Gefiesel werden â ich kürze sie deshalb vorher um 2 Gewindegänge.
- Bei der Gelegenheit Kühlwasser wechseln. Ablassschraube (mit Schlauchstutzen â Luxus pur!!!!) ist am Motorblock im Bereich des Zwischenlagers der rechten Antriebswelle. SW 13 â Ringschlüssel. Zweite Ablaßschraube: an Unterseite des Wasserkühlers links (in Fahrtrichtung)
- WaPu stirnseitig abziehen.
Schritt C:
- Auflageflächen von WaPu, Themostat und Heizungsanschlußrohren (an WaPu) reinigen. Keine Riefen mit dem Schaber reinziehen!
- Neue O-Ringe auf die Heizungs-Anschlußrohre im Zylinder-V stecken oder ins WaPu-Gehäuse? (Weiß nimmer auswendig)
- Diese O-Ringe genau so wie auch WaPu-Anlagefläche und Themostatgehäuse mit Motor-Dichtpaste bestreichen, dann WaPu und NEUEN Thermostat einbauen. Dichtpaste auf den O-Ringen hat den Zweck, daß die WaPu besser draufgleitet und man verhindert, dass diese O-Ringe, wenn sie sich mit der Zeit âsetzenâ, undicht werden.
- Kühlerschlauch aufstecken/verschrauben.
Schritt D:
Von Hand prüfen, ob WaPu leichtgängig dreht.
Von Hand prüfen, ob Spannrolle leichtgängig dreht!!!
Von Hand prüfen, ob Klimakompressor leichtgängig dreht.
Von Hand prüfen, ob LiMa leichtgängig dreht
- Keilriemen auflegen (vorher Sichtprüfung auf Risse an den Flanken und auf der glatten Oberseite) und mittels Spannrolle spannen. Richtige Spannung: wenn man ihn problemlos auf dem längsten freien Stück mit zwei Fingern um 90° drehen kann. Nicht zu stramm spannen - Lager von LiMa, Kompressor und WaPu leiden!
- Motorlager einbauen. Die Schrauben bzw. Muttern zuerst nur lose ansetzen, bis jedes Teil an seinem Platz ist. Dadurch hast Du etwas Spiel beim Ansetzen der einzelnen Schrauben/Muttern.
- Kasten mit Schaltgeräten wieder verschrauben.
- Motor evtl. mit klarem Wasser durchspülen: Wasserschlauch in Ausgleichbehälter stecken und leicht geöffnet (nicht zuviel Druck) ein paar Minuten laufen lassen.
- Ablaßschrauben am Motorblock und Wasserkühler wieder schließen.
- Motor über Ausgleichsbehälter mit Kühlwasser befüllen: destilliertes oder entmineralisiertes Wasser verwenden. Kühlerfrostschutz: auf keinen Fall den silikatfreien, meist roten, für Alu-Motoren! Damit droht Zylinderkopfschaden. Die alte grüne oder blaue Pampe auf Basis von Glykol oder Ethandiol verwenden.
- Umgebung von WaPu und Thermostat trockenwischen.
- Radhausstrebe einbauen.
- Motor ein paar Sekunden (nur ein paar Sekunden!) laufen lassen.
- Alles dicht?
- Radhaus zumauern, Rad drauf, Karre auf den Boden stellen.
Schritt E:
- Über Ausgleichsbehälter Kühlwasserstand ergänzen und dabei entlüften:
a) die von der Heizung durch die Karosserie kommenden Schläuche auf der Hinterseite des Motors ein paarmal kräftig durchkneten, das löst die schlimmsten Luftnester.
b) tatsächlich habe ich eine Schraube SW 13 bei der Drosselklappe gefunden (erscheint in keinem Handbuch). Das müßte diese anonyme, nirgends erwähnte Entlüftungsschraube sein. Jedenfalls sehe ich entsprechend des Einbauortes keinen anderen Sinn für deren Vorhandensein. Und zwar sitzt diese Schraube im Drosselklappengehäuse genau unter dem dicken Lüftführungskanal Luftfilterkasten/Drosselklappe.
c) Entlüfterschraube bei stehendem Motor öffnen (vorsichtig â vermutl. nur wenige Gewindegänge und dann kommt vermutl. eine Dichtkugel, die verloren gehen kann!). Kühlwasser auffüllen, bis Wasser blasenfrei austritt, dann schließen.
d) Motor laufen lassen â Heizung ganz auf, aber Klima ausschalten. Motortemperatur beobachten - sollte nicht wesentlich über 90° C gehen. Zwischenrein immer mal wieder schlagartig, kräftig Gas geben - das "reißt" die Luft aus dem Kühlsystem.
e) Wenn der Lüfter das erste Mal eingeschaltet hat, Motor aus. Deckel des Ausgleichsbehälters vorsichtig (Verbrühungsgefahr) öffnen. Ggf. nochmal Kühlwasser nachfüllen.
f) Fahrzeug über Nacht eben parken und am nächsten morgen bei kaltem Motor, falls nötig, Kühlmittelstand nochmals ergänzen.
In den ersten Tagen Kühlmitteltemperatur im Auge behalten (max. 118° C bei knallheißem Motor im Stau). Dabei auch öfter am kalten Motor Kühlmittelstand im Ausgleichsbehälter prüfen.
Du siehst, das ganze ist nix technisch schwieriges, sondern nur eine elende Schrauberei, weil dieses Fahrzeug eigentlich ein Heckantrieb hätte werden sollen und genau dieser Motor eigentlich als 4,0-Liter V8 mit Längseinbau dafür konstruiert wurde. Echt fränzösisch: Eisensäge â 2 Zylinder weg, Nocken- und Kurbelwelle abgesägt, das Längseinbaugetriebe vom 7er-BMW bei ZF umgebaut, fertig war der 605 (und XM).
Gruß â Spargel