RCC1
18.08.2010, 11:46
Elegant ist er nur auf dem Laufsteg
Das neue Sportcoupé von Peugeot heißt RCZ und bietet mit seinem Dieselmotor erheblichen Fahrspaß. Aber der Vierzylinder läuft sehr rauh und ist laut. Und die zwei angebotenen Plätze auf der Rückbank sind unkomfortabler als Notsitze.
Der französische Autohersteller Peugeot war bislang nicht unbedingt für sportliche Autos bekannt. Jetzt aber haben sie den neuen RCZ parat, der mit der langen Tradition bricht, dass ein Auto von Peugeot immer mit Ziffern und mit einer oder zwei Nullen in der Mitte benamst wird.
Und außerdem kommt der athletisch-muskulös gezeichnete 2+2-Sitzer â der stark an den Audi TT erinnert â nicht nur als Benziner-Variante auf die Straße. Es gibt auch einen Dieselmotor.
Fahrspaß dank Drehmoment lautet hier die Devise, und sparsam ist der schnelle Peugeot allemal. Zum Grundpreis von 29.450 Euro geht der RCZ Diesel an den Start. Der Peugeot-Sportler ist 4,29 Meter lang und nur 1,36 Meter hoch.
Design
Die schlanke Gestalt wird von massigen Kotflügeln eingerahmt, die Frontpartie ist wohltuend flach geformt, der RCZ verabschiedet sich von der Spitznase, mit denen weit konventionellere Baureihen der Marke bislang sportliche Gene bemühen wollten.
Besonders auffällig ist der fein geschwungene Aluminiumrahmen, der die seitlichen Dachkanten betont und dem neugierigen Autofahrer hoffen lässt, dass man zwischen den beiden Holmen das Blech aufklappen kann. Geht aber nicht, der RCZ ist ein Coupé und wird wohl erst später ein Cabriolet zur Seite gestellt bekommen.
Sitze
Der Einstieg fällt trotz der geringen Höhe des Sportcoupé vergleichsweise leicht. Obwohl die Sitze mit ordentlichen Wangen an Fläche und Lehne guten Seitenhalt in Kurven bieten, rutschen die RCZ-Fahrer mühelos auf die sanft konturierten Fauteuils. Die nicht zu lang geschnittenen Türen öffnen auch in engeren Parklücken weit.
Fond
Weniger gemütlich wird an Bord gegangen, wenn wieder besseres Wissen das â+2â genutzt wird. Die Sitze im Fond sind noch weniger als ein Behelf und können nicht ohne den allerbesten Willen der Menschen vorne besetzt werden. Fahrer und Beifahrer klemmen dann zwischen Lehnen und Armaturenbrett, damit die Hinterbänkler irgendwie Platz finden.
Jetzt könnten wir den Fond ganz einfach als Ablagefläche für die Aktentasche oder den Einkaufskorb empfehlen. Allein diese Aufgabe scheitert am unzureichenden Weg des Klappmechanismus, der die vorderen Lehnen für bessere Zugänglichkeit nach hinten bewegen soll, zusätzlich müssen die Sitze mit der serienmäßig elektrischen Verstellung nach vorn gefahren werden.
Kofferraum
Immerhin lassen sich die beiden Lehnen im Fond trotz umständlicher Entriegelung umklappen, dann steigt das Kofferraumvolumen des eher flachen Gepäckabteils dahinter von 321 auf reisegerechte und für zwei Personen üppige 639 Liter.
Lederausstattung
Der Innenraum wird zum Preis von 3500 Euro beinahe vollständig mit Leder ausgekleidet. Nappa-Qualität soll es haben, es fühlt sich jedoch nicht besonders hochwertig an. Aber die Belederung schafft Atmosphäre, das elegante Anthrazit harmoniert trefflich mit den Klavierlack-Intarsien der Mittelkonsole, den in silbrigem Aluminium schimmernden Türgriffen und dem fast verschwenderisch verarbeiteten Chrom, der blitzend um Instrumente, Drehsteller und Luftausströmer gelegt wurde. Die Verarbeitung zeigt keine Nachlässigkeiten.
Instrumente
Die Instrumente sind von hinreichender Größe und Ablesbarkeit, korrespondieren fein mit der gleichartig gestalteten Analog-Uhr in der Mittelkonsole. Darüber hebt sich bei Bedarf der Farbmonitor des Navigationssystems und der Audio-Anlage (1990 Euro) aus seiner Mulde.
Prima: Keine Fernbedienungstasten verunzieren das Lenkrad. Die Schalter für Radio- und Tempomatsteuerung sind ästhetischer hinter dem Kranz des Volants an der Lenksäule angebracht.
Motor
Die Dieselmaschine wird konventionell mit einem Schlüssel gestartet und meldet sich sofort mit einem kernigen Laufgeräusch betriebsbereit. Kuppeln und Gasgeben lässt sich über die mit Edelstahlprofilen belegten Pedale harmonisch aufeinander abstimmen, mit erheblicher Durchzugsstärke aber einem nicht eben standesgemäßen Motorklang rasselt das Sportcoupé in 8,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h.
Getriebe
Das Schalten des manuellen Sechsganggetriebes gelingt leicht und zügig, die Kulisse ist gut gestaltet, die Wege des kurzen Hebels knapp. Bereits bei 1500 Umdrehungen in der Minute strafft sich der Vierzylinder und stellt üppiges Drehmoment bereit, sein Maximum liegt in Höhe von 340 Newtonmeter bei 2000 Umdrehungen in der Minute. Gefühlvoller Umgang mit dem Gas wird empfohlen, wenn der RCZ-Fahrer nicht alleine unterwegs ist. Das plötzlich einsetzende Moment zupft mächtig an der Nackenmuskulatur. Was nicht jeden erfreut.
Verbrauch
Überraschend genügsam gibt sich der Selbstzünder dagegen im Verbrauch. Den Wagen mit 4,9 Liter Diesel 100 Kilometer weit zu fahren ist keine anstrengende Übung. Schnellere Wege bewältigt er immer noch maßvoll, 7,5 Liter Verbrauch im Mix aus Stadtverkehr und eiliger Fahrt über freie Fernstraßen ins Rheinland kann nicht als undiszipliniert gelten. Der Durchschnitt von 6,5 Liter Diesel für 100 Kilometer geht völlig in Ordnung, in den Tank passen 55 Liter.
Fahrverhalten
Bei sportlicher Fahrweise oder Autobahn-Hatz fährt automatisch ein Heckspoiler in zwei Stufen bei 86 und 155 km/h aus, um den Anpressdruck auf der Hinterachse zu erhöhen. Das ist gut so, denn der frontgetriebene RCZ ist zwar leicht, drückt sein Gewicht aber hauptsächlich auf die vorderen Räder.
Die Kurvenwilligkeit leidet hierunter nur wenig, an die Agilität hinterradgetriebener Sportler kommt er freilich nicht heran. Bisweilen wirkt die Lenkung ein wenig hartleibig, den guten Geradeauslauf beeinträchtigt das nicht, wohl aber das Gefühl des Fahrers für die Straße, das sich dann nur sehr zurückhaltend einstellt.
Die Federung findet einen ausgewogenen Kompromiss zwischen sportlichem Anspruch und Komfort beim entspannten Ausritt am Wochenende oder der gelassenen Fernfahrt. Das Fahrwerk rüttelt die Passagiere nicht über Gebühr durch, dennoch leistet sich das Peugeot-Sportcoupé keine ungebührlichen Karosserieneigungen in Kurven oder überraschende Lastwechsel-Reaktionen. Die Bremsen sprechen feinfühlig an, gute Dosier- und Standfestigkeit sind gegeben.
Preis
Der RCZ ist für Peugeot ein wichtiger, das Ansehen förderndes Sportcoupé. Die Marke scheint nach erheblichen Unsicherheiten nun unter neuer Leitung eine gefestigte Identität zu finden. Der neue Peugeot weist dabei in eine gute Richtung. Allerdings haben die sportlichen Gene ihren Preis.
Die Basis mutet noch finanziell verträglich an, kostspielige Extras wie Design-Individualisierung, Lederausstattung oder Navigationshilfe verteuern das Diesel-Grundmodell um beinahe 8000 Euro. Und da begibt sich der RCZ in gefährliche Nähe zu Sportlern anderer Marken.
Gleichwohl gibt er seinem Fahrer ein gutes Sicherheitsgefühl, bietet ordentliche Fahrleistungen und vor allem einen niedrigen Verbrauch. Über die Harmonie zwischen formalem Anspruch und akustischer Realität lässt sich trefflich streiten. Aber wer sich gar nicht mit den typischen Diesel-Geräuschen anfreunden kann, der sollte sich den als Grundmodell ebenfalls 29.450 Euro kostenden RCZ 1,6 l 200 THP genauer ansehen. Der ist noch ein gutes Stück sportlicher und entspricht mit seinem Turbobenziner den Erwartungen konventionell denkender Sportwagen-Freunde in Motorcharakteristik und Laufgeräusch wahrscheinlich eher. Wenngleich sein Spritverbrauch deutlich höher liegen dürfte.
Daten und Messwerte
Empfohlener Preis 29.450 Euro
Preis des Testwagens 37.240 Euro
Vierzylinder-Dieselmotor, vier Ventile je Zylinder, 1997 Kubikzentimeter Hubraum
Leistung 120 kW (163 PS) bei 3750/min
Höchstes Drehmoment 340 Nm bei 2000/min, 90 Prozent davon ab 1600 bis 3800/min
Manuelles Sechsganggetriebe, Automatik nicht erhältlich
Antrieb auf die Vorderräder
Länge/Breite/Höhe 4,29/1,84/1,36 Meter
Radstand 2,61, Wendekreis 10,60 Meter
Leergewicht 1370 (tatsächlich 1410), zulässiges Gesamtgewicht 1825, Anhängelast 500 Kilogramm, Kofferraumvolumen 321 bis 639 Liter
Reifengröße 235/45 R 18 98V
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h
Von 0 auf 100 km/h in 8,7 s, von 50 bis 100 km/h im 4./5./.6. Gang in 9,2/11,3/20,8 s
Verbrauch 4,9 bis 7,5, im Durchschnitt 6,2 Liter Diesel je 100 km; 139 g/km CO2 bei Normverbrauch von 5,3 Liter; Tankinhalt 55 Liter
Versicherungs-Typkl. HP17, TK 23, VK 22
Garantie zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung, drei Jahre auf den Lack, zwei Jahre Mobilitätsgarantie, Inspektionsintervall 30.000 Kilometer
Text: F.A.Z.